Rechtenstein bekommt ein neues Wasserkraftwerk

Artikel in der "Schwäbischen Zeitung" vom 20.10.2014 (Autor: Eileen Kircheis)

Elmar Reitter investiert rund 3,5 Millionen in den Umbau – Vierte Turbine und Fischtreppe werden eingebaut

Elmar Reitter, der Betreiber der Wasserkraftanlage in Rechtenstein, hat dem Gemeinderat bei einer kurzfristig anberaumten Sitzung am Freitagabend seine Umbaupläne für das Wasserkraftwerk präsentiert. Die Anlage soll komplett umgebaut werden – eine vierte Turbine und eine sogenannte Fischtreppe werden eingebaut. Die Gemeinde will nun gegenüber dem Landratsamt eine positive Stellungnahme abgeben.

Rund 3,5 Millionen Euro will Elmar Reitter in das Wasserkraftwerk an der Rechtensteiner Donau investieren. Seit 1904 wird dort Strom aus Wasserkraft produziert. Jetzt ist die Anlage in die Jahre gekommen. Erhält Reitter alle nötigen Genehmigungen, könnten die Arbeiten im Frühsommer des kommenden Jahres beginnen. „Wenn dann die Arbeiten gut voran kommen, könnte der Umbau an Weihnachten weitestgehend abgeschlossen sein“, hofft der Bauherr.

Die Anlage soll modernisiert werden, ohne dabei das Stauziel zu verändern, Rechenreinigung und Grundablass werden erneuert, die Wasserstrecke zwischen Oberwasser und Unterwasser soll durchlässig gemacht werden, außerdem soll eine vierte Turbine eingebaut werden. Um den Naturschutzauflagen gerecht zu werden, wird eine sogenannte Fischtreppe eingebaut, auf der Fische zu ihren Laichplätzen Fluss aufwärts schwimmen können. „Aufgrund des begrenzten Platzes bauen wir eine technische Fischaufstiegshilfe ein“, erklärt Reitter dem Gremium.

Bereits in den 80er Jahren hatte Reitter geplant, die Anlage zu erneuern. „Nach einem schweren Hochwasser zeigten sich einige Mängel und wir haben damals befürchtet, dass die Anlage nicht mehr lange halten würde“, sagt Reitter. Nach damaligen Plänen für ein sogenanntes Schlauchwehr hätte der Umbau rund 700000 D-Mark kosten sollen.

Weil das 110 Jahre alte Wehr inzwischen aber alles andere als zeitgemäß sei, ist jetzt nicht mehr von einem Umbau, sondern viel mehr von einem Neubau die Rede. Das alte soll im Zuge dieser Arbeiten komplett zurückgebaut werden. Die neue Wehranlage entsteht rechtwinklig zur Fabrik. Entstehen soll ein Klappenwehr mit zwei 20 Meter breiten Klappen. Während des Neubaus soll die alte Anlage normal weiter laufen und auch weiterhin Energie produzieren.

„Auch aus Sicherheitsgründen ist der Neubau längst überfällig“, erklärt Reitter. Es sei viel zu gefährlich, heute immer noch bei irgendwelchen Störungen selbst mit der Schwimmweste raus aufs Wehr zu müssen. „Die neue Anlage funktioniert dann vollautomatisch“, so Reitter.

Auch wenn Reitter die Stauhöhe nicht erhöhen darf, soll das neue Kraftwerk mehr Energie produzieren. Die Leistungserhöhung soll bei rund 300000 Kilowattstunden liegen. „Wir können nach dem Umbau an mehr Tagen Energie erzeugen als bisher“, erklärt der Unternehmer. Trotzdem werde es rund 60 Jahre dauern, bis sich der Neubau amortisiert habe.

Eine ziemlich umfangreiche Baustelle werde aufgrund des Umbaus in Rechtenstein entstehen, räumt Reitter ein. „Natürlich wird es da auch – ab und zu – zu Behinderungen und Verschmutzungen kommen.“ Aber die Baufirmen würden schon bei der Ausschreibung angewiesen, die Belästigung so gering wie möglich zu halten. Weil auch einige Schwerlaster durch den Ort fahren werden, soll im Vorfeld eine sogenannte Beweissicherung stattfinden, um später eventuelle Schäden an Gebäuden und Straßen nachweisen zu können.

Wenn Reitter alle nötigen Genehmigungen erhalten hat und der Bau beginnen kann, soll es eine Informationsveranstaltung für die Rechtensteiner Bürger geben.

Rechtensteins Bürgermeisterin Romy Wurm freut sich über die Umbaupläne des Unternehmers. „Der Neubau ist auch aus Sicherheitsgründen und wegen des Naturschutzes eine gute Sache.“