Ein kleines Wasserkraftwerk schlägt Wellen

Badische Zeitung vom 14.05.2013 (Autoren: Karin Steinebrunner und Katja Mielcarek)

Trotz Ablehnungen der Behörden und des Verwaltungsgerichts will Richard Eschbach weiter ein Kraftwerk am Schildbach bauen.

GÖRWIHL. Es ist fast ein kleines Jubiläum: Vor 25 Jahren ist der Antrag von Richard Eschbach aus Rüßwihl zum ersten Mal abgelehnt worden, am Schildbach ein kleines Wasserkraftwerk zu errichten. Es sollte nicht die einzige Ablehnung bleiben: Regierungspräsidium und Verwaltungsgericht bestätigten die Entscheidung des Landratsamtes. Aufgegeben hat der Elektromeister aber noch immer nicht. Seit einigen Monaten liegt eine neue Standortvoranfrage beim Landratsamt, das Eschbach aber weiter wenig Hoffnung macht.

Mittlerweile interessieren sich auch Kreis- und Landespolitiker für das Projekt. SPD-Landtagsabgeordneter Alfred Winkler ließ sich Ende des vergangenen Jahres die Pläne von Eschbach erklären, CDU-Kollege Felix Schreiner war auch schon da. Vergangene Woche hatten die Mittelstandsvereinigung und der Kreisverband der CDU zum Thema Wasserkraft ins Lamm nach Rüßwihl eingeladen. Rainer Eschbach, Kreisvorsitzender der Mittelstandsvereinigung und Bruder von Richard Eschbach, sowie Felix Schreiner betonten die Bedeutung der in der Region traditionell genutzten Wasserkraft. An diesem Abend sollte es auch um die vorhandenen und geplanten Anlagen vor Ort am Schildbach gehen solle.

Elmar Reitter, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaften Wasserkraftwerke Deutschland (AWK), erklärte, im Gegensatz zu den umwelttechnischen und wirtschaftlichen Hindernissen, denen sich große Anlagen gegenübersehen, seien kleinere durchaus als umweltfreundlich zu bezeichnen. Dass der Anteil der Wasserkraft an der Stromerzeugung seit Jahren um die sechs Prozent liege, sei nicht zuletzt auf die extrem stiefmütterliche Genehmigungspraxis zurückzuführen. Damit sprach er Thomas Bächle aus der Seele, der Unterlagen mehrerer Genehmigungsverfahren für Wasserkraftanlagen seit 1994 mitgebracht hatte. AWK-Präsident Karl-Wilhelm Röhm forderte einen übergeordneten Kriterienkatalog, um die, "unsäglichen" Unterschiede der Genehmigungspraxis zwischen verschiedenen Landkreisen auszugleichen.

Aus Sicht von AWK-Geschäftsführer Wolfgang Strasser würde der Nutzen eines Kleinkraftwerkes langfristig auf jeden Fall die Belastung übertreffen. Diesen Eindruck hatte auch Alfred Winkler, als er Ende vergangenen Jahres mit Richard Eschbach am Schildbach war: "Nach meiner laienhaften Einschätzung schien mir der zu erwartende Eingriff in die Natur vertretbar." Auch die notwendige Entnahme eines großen Teils des Wassers des Schildbaches schien ihm damals noch machbar. Mittlerweile habe er sich aber von den Experten des Landratsamtes und des Landesumweltministeriums eines Besseren belehren lassen müssen.

Landratsamt und Minister sind sich einig

Bei dem Schildbach handle es sich an der in der Diskussion stehenden Stelle um ein besonders geschütztes Biotop, um einen steilen Berg- und charakteristischen Wildbach, wie es ihn in der Region nur noch selten gebe, teilte das Landratsamt mit. Auch aus Sicht der Gewässerökologie sei er wertvoll. Am Schildbach gebe es schon mehrere Wasserkraftanlagen, der betroffene Abschnitt sei der einzig naturbelassene und deshalb besonders zu schützen. Wolle Richard Eschbach weiter bei seinem Antrag bleiben, müsse er ein teures Fachgutachten beibringen – eine Investition, die aus Sicht der Behörde wegen der geringen Erfolgsaussichten wenig sinnvoll sei. Umweltminister Franz Untersteller schloss sich dieser Einschätzung an, wie er in einem dreiseitigen Brief an Alfred Winkler ausführte. Trotz Energiewende müssten die Belange des Naturschutzes und der Gewässerökologie beachtet werden. Untersteller regte an, sich einen anderen Standort für das kleine Wasserkraftwerk zu suchen. Richard Eschbach aber will weiterkämpfen und sich als Nächstes einen Umweltgutachter suchen, sagte er der BZ. Er sei hoffnungsfroh: "Durch die Energiewende hat sich einiges geändert und das braucht halt seine Zeit, bis es in den Köpfen der Verwaltung angekommen ist."