Die Bürger auf den Weg mitnehmen

Badische Zeitung vom 23.07.2012 (Autor: Heiner Fabry)

Beim Besuch von Umweltminister Franz Untersteller in Hausen und auf dem Belchen standen Energiethemen im Fokus.

HAUSEN/KLEINES WIESENTAL. Umweltminister Franz Untersteller war am Freitag im Landkreis unterwegs und besuchte dabei auch Hausen und den Belchen. Energie-Themen standen im Mittelpunkt der Visite.
Es war eine starke Delegation, die zunächst das Wasserkraftwerk in Hausen besichtigte und sich über die Details dieses "Vorzeige-Kraftwerks" informieren ließ. Auf Einladung des Landtagsabgeordneten Josha Frey (Grüne) besuchten Franz Untersteller und Landrätin Marion Dammann das Kleinkraftwerk und zeigten sich beeindruckt von der Lösung, die hier gefunden wurde.

Martin Steiger, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Energiedienst Holding, begrüßte die Gäste und stellte das Wasserkraftwerk vor, das in Kooperation mit Elmar Reitter realisiert wurde. Der Minister gratulierte den Betreibern und der Gemeinde zu einem Kleinkraftwerk, das sich in die Landschaft einpasst und bei dem "konkurrierende Dinge optimal in Übereinstimmung gebracht wurden". Bürgermeister Martin Bühler bestätigte, dass von Seiten der Bürger schon lange eine positive Haltung zu einem Wasserkraftwerk bestand. "Die Aufgabe der Gemeinde bestand vornehmlich darin, moralische Unterstützung bei der Einigung der Betreiber zu geben", so der Bürgermeister. Die Lösung passe sich nicht nur hervorragend in die Landschaft ein, sie sei ein Anziehungspunkt für Besucher aus der ganzen Region. Rolf Hezel, Projektleiter bei Energiedienst, stellte bei einem Rundgang die Details des Kraftwerks vor. Besonders interessierten den Minister die langsam drehenden Wasserkraftschnecken und die Landschaftsgestaltung mit der fast 200 Meter langen Fischaufstiegstreppe. "Das ist nicht nur eine ökologisch wertvolle Lösung, sondern auch eine Bereicherung für die Ufergestaltung", stellte er fest.

Im Abschlussgespräch ging Untersteller generell auf die Fragen der Energiewende ein. Für den Erfolg sei von ausschlaggebender Bedeutung, dass die Bürger für diesen Weg gewonnen werden. "Wir brauchen die Akzeptanz und die Mitwirkung der Menschen vor Ort. Es wird entscheidend für den Erfolg sein, ob es uns gelingt, die Menschen für diesen Weg zu begeistern und die unterschiedlichen Interessen zwischen Naturschutz und Klimaschutz in Einklang zu bringen."

Auf dem Belchen stand die Windkraft im Mittelpunkt

Auf dem Belchen wurden der Minister und der Abgeordnete von Bürgermeister Gerd Schönbett, begleitet von einigen Gemeinderäten sowie Michael und Alexander Sladek von der EWS Schönau, empfangen. Schönbett erläuterte, wie die geographische Verteilung der Windkraftanlagen aussehen könnte. Untersteller bestätigte, dass die Nutzung der Windenergie eine der kostengünstigsten Varianten regenerativer Energien darstellt. "Wir haben im Land die Voraussetzungen geschaffen, die Versäumnisse der Vergangenheit möglichst bald aufzuholen", erklärte er. "Für die konkrete Umsetzung der Maßnahmen ist dabei die Akzeptanz in der Bevölkerung von ausschlaggebender Bedeutung", betonte Franz Untersteller auch hier und lobte die Gemeinde dafür, dass hier die Schritte zusammen mit benachbarten Kommunen eingeleitet wurden. "Mit diesem Zusammenschluss und dem Einbezug der Bürger sind Sie ganz vorne dabei", stellte er fest. Josha Frey ergänzte, dass die Wiesentalgemeinden nicht nur in der interkommunalen Zusammenarbeit bisher die einzigen in Baden-Württemberg sind, sondern dass auch mit der EWS ein lokaler Partner gefunden werde, der sicherstellt, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt. Michael Sladek von der EWS ergänzte, dass bei der Realisierung der Windparks Bürgerbeteiligung ganz vorne steht. Aufgrund der Vorlaufkosten und der Schwierigkeiten bei der Erstellung eines Geschäftsmodells für Genossenschaften trete die EWS in Vorleistung, um dann die Windkraftanlagen zurück in Bürgerhand zu geben. Hier hakte Schönbett ein. Man wolle nicht nur in der interkommunalen Zusammenarbeit Vorreiter sein, sondern auch bei der Bürgerbeteiligung. Im Kleinen Wiesental bilde sich derzeit ein Verein engagierter Bürger, die die Genossenschaftsgründungen vorbereiten wollen.

Franz Untersteller ging in seinen Ausführungen auch auf mögliche Schwierigkeiten bei der Umsetzung ein, etwa beim Thema Arten- und Landschaftsschutz: "Natürlich muss das Auerwild geschützt werden, aber ich bin nicht bereit zu akzeptieren, dass ganz Baden-Württemberg zum ’Auerhuhn-Erwartungsland’ deklariert wird." Dem Hinweis aus der Runde, 2015 werde die Einspeisevergütung für Energie aus Windkraft um 6,5 Prozent sinken, also sei Eile geboten, wollte der Minister nicht folgen. Er könne sich vorstellen, dass es nach den Bundestagswahlen noch eine Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes geben werde.