Ein ökologisches Schmuckstück geht ans Netz

Badische Zeitung vom 06.10.2011 (Autor: Dirk Sattelberger)

Bei der offiziellen Einweihung des neuen Wiese-Kraftwerks in Hausen gibt es viele Komplimente für die Fischfreundlichkeit / Weltweit längste Wasserschnecken.

HAUSEN im Wiesental

Mit einem symbolischen Knopfdruck schalteten gestern Kraftwerkbetreiber Energiedienst und Elmar Reitter sowie Vertreter der Politik das neue Wasserkraftwerk an der Wiese ein. Mit seinen beiden langen Wasserschnecken und einer aufwendigen Fischaufstiegshilfe gilt es als zukunftsweisend.

Einweihung Wasserkraftwerk Hausen (von links): Gesellschafter Elmar Reitter; Dr. Georg Lutz, Landratsamt Lörrach; Ministerialdirektor Helmfried Meinel, Umweltministerium Baden-Württemberg; Gesellschafter Energiedienst, Martin Steiger, Vorsitzender Energiedienst Holding AG und Martin Bühler, Bürgermeister Gemeinde Hausen.Einweihung Wasserkraftwerk Hausen (von links): Gesellschafter Elmar Reitter; Dr. Georg Lutz, Landratsamt Lörrach; Ministerialdirektor Helmfried Meinel, Umweltministerium Baden-Württemberg; Gesellschafter Energiedienst, Martin Steiger, Vorsitzender Energiedienst Holding AG und Martin Bühler, Bürgermeister Gemeinde Hausen.

Nach rund einjähriger Bauzeit waren alle Beteiligten froh, dass die Anlage nun offiziell in Betrieb gehen konnte. Energiedienstchef Martin Steiger nannte das Kraftwerk eine "äußerst wertvolle Anlage". Er betonte die ökologische Verträglichkeit des Bauwerks – Fische können nämlich weiterhin leicht die Wiese hoch- und runterschwimmen. Möglich wird dies durch die beiden sehr langsam rotierenden Wasserschnecken und ein 180 Meter langes Umgehungsgewässer als Fischaufstiegshilfe.

Die Umweltfreundlichkeit des neuen Kraftwerks betonte auch Ministerialdirektor Helmfried Meinel vom Stuttgarter Umweltministerium. Durch die Bauweise werde es möglich, dass eines Tages wieder Lachse in der Wiese leben können. Er erinnerte an die Anfänge der Wasserkraft im Südschwarzwald als Motor für gewerbliche und industrielle Entwicklung und wünschte den beiden Betreibern "gute Erträge".
Georg Lutz, Leiter der Umweltabteilung im Landratsamt, machte den Betreibern, die 3,5 Millionen Euro in das Projekt gesteckt haben, ein Kompliment für das "Musterbeispiel einer ökologischen Verträglichkeit". Ökologische Belange seien beim Kraftwerkbau einige Zeit lang vernachlässigt worden, sagte er mit Blick auf jene Turbinen, die für Fische lebensbedrohlich sein können.

Laut Projektleiter Rolf Hezel sind die beiden 19 Meter langen Wasserschnecken wohl die weltweit längsten, die derzeit in Betrieb sind (siehe Grafik unten). Die Technik hat neben der Fischfreundlichkeit den Vorteil, dass sie wartungsarm ist. Deswegen werde man zukünftig kein Personal am Kraftwerk antreffen – Mitarbeiter in Rheinfelden überwachen es aus der Ferne. Dem dienen auch sechs diskret angebrachte Kameras auf dem Gelände, deren Bilder ständig übertragen werden.

Hausens Bürgermeister Martin Bühler dankte den Betreibern für das "schöne Schmuckstück", das sich hervorragend ins Landschaftsbild einpasse. Bühler sagte, dass die Wiese an dem Kraftwerkstandort 30 Jahre lang ungenutzt abgeflossen sei. Anfang der 80er Jahre begannen die ersten Überlegungen für den Bau eines Kraftwerks bei Hausen. Der Standort war damals schon so begehrt, dass sich zwei Interessenten gleichzeitig um den Bau bewarben, aber durch ihre Rivalität einer Realisierung lange Zeit im Wege standen. Von den damaligen Streitereien zwischen Kraftwerke Rheinfelden (KWR) und der Firma Südstrom Rheinstetten wollte gestern aber niemand mehr etwas wissen. Im Gegenteil: Mit der jetzigen Lösung sei eine optimale Lösung gefunden worden. Davon konnte sich auch Altbürgermeister Karlheinz Vogt überzeugen: Er hatte sich gestern zusammen mit mehreren Gemeinderäten in die Festgesellschaft eingereiht und ließ sich interessiert die Kraftwerkstechnik zeigen.

Der einzige Wunsch, der gestern unerfüllt blieb, war der nach mehr Wasser im Fluss Wiese. Wegen des anhaltend geringen Wasserstands läuft das Kraftwerk nämlich nur mit einer statt zwei Wasserkraftschnecken. Mit der Trockenheit könnte es indes bald vorbei sein: Fürs Wochenende ist Regen angekündigt. "Gutes Turbinenwetter", sagte einer der Kraftwerkexperten dazu.

Die Schwankungen des Wasserstands sind bei der Jahresstrommenge von durchschnittlich 1,9 Millionen Kilowattstunden (kWh) eingerechnet. Sie soll ausreichen, um 500 bis 600 Privathaushalte mit elektrischem Strom zu versorgen.