Vorrang für den Klimaschutz

Südwest Presse vom 19.03.2011

Offenhausen. In einem Jungwählerbrief lud die Junge Union zu einer Wasserkraftwerk-Besichtigung und einem Jungwählergespräch mit Karl-Wilhelm Röhm ein.

Die Führung durch das "Wasserhäusle", seit 2006 wieder als Kleinwasserkraftwerk in Betrieb, übernahm Dipl.-Ing. Elmar Reitter, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke Baden-Württemberg.

Bei der Besichtigung der alten, wieder zum Leben erwachten Francis-Wandturbine, die für ca. 15 bis 20 Haushalte Strom liefert und eine Leistung von 5 KW erbringt, erläuterte Röhm, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke, welches Potenzial die Wasser- und Kleinwasserkraft für Baden-Württemberg birgt: "Der Anteil des Wasserkraftstroms am Gesamtstromverbrauch liegt derzeit bei 10 bis 12 Prozent, realisierbar ist aber eine Verdopplung, die sich auch die Landesregierung bis 2020 zum Ziel gesetzt hat. Und bei uns muss die Erschließung weiterer Potenziale an der Echaz und der Erms vorangetrieben werden. Schließlich ist die Wasserkraft eine saubere, CO2-neutrale und damit äußerst klimafreundliche Energie. Sie gehört zum Energiemix, wie alle anderen erneuerbaren Energien, die fossilen Brennstoffe und die Kernkraft als Brückentechnologie", so Röhm.

In der Praxis aber wird der Naturschutz höherwertiger eingestuft als der Klimaschutz. "Zum Schutz bestimmter Fischarten, wie dem Streber, geht dann ohne eine Fischtreppe nichts mehr", so Dipl.-Ing. Reitter. "Dieser Konflikt belastet den Ausbau von Kleinwasserkraftwerken. Er muss zukünftig zugunsten des Klimaschutzes ausgetragen werden", fügte Röhm hinzu.

Bei der Bioenergieerzeugung muss nach Röhm eine Effizienzsteigerung durch zusätzliche Nutzung der Wärme und einer Dezentralisierung erfolgen; Klein- und Gemeinschaftsanlagen seien daher besonders zu fördern.

Röhm konstatierte: "Landwirtschaftliche Flächen sind in erster Linie dafür da, Menschen mit Nahrung zu versorgen. Wir können uns eine Nutzung allein zur Biokraftstoffgewinnung angesichts zunehmender Umwelt- und Hungerkatastrophen und zunehmend leerer werdenden Getreidespeicher nicht mehr leisten".