Bald fließt der erste Strom

Badische Zeitung vom 09.02.2011

Schneckenräder im Wasserkraftwerk Hausen eingetroffen / Der Probebetrieb steht kurz bevor

Hausen - Der Bau des Wasserkraftwerks Hausen ist in der Endphase: Schon nächsten Monat geht die Anlage in den Probebetrieb. Mit Schwerlasttransporter trafen nun die 55 Tonnen schweren Wasserkraftschnecken auf der Baustelle in Hausen ein - sozusagen das Herz des Wasserkraftwerks. Die Bauherren Energiedienst und Mitgesellschafter Elmar Reitter sind zufrieden.

Bereits ein Tag zuvor wurde ein Kran zum Einheben der beiden Schwergewichte geliefert. Jede Wasserkraftschnecke ist 19 Meter lang und hat einen mächtigen Durchmesser von 3,6 Meter. "Heute konnten die Maschinen des Kleinwasserkraftwerks nacheinander in die bereits fertig gestellten Rinnen eingehoben werden", berichtet Projektleiter Rolf Hezel von der Firma Energiedienst.
In einem nächsten Schritt betonieren Bauarbeiter die Tröge der Schnecken ein. Außerdem werden die Einlaufbereiche der Kanäle sowie der Rohbau des Maschinenhauses fertig gestellt. Mitte Februar erfolgt der Innenausbau mit der Steuerungstechnik, so dass die Maschinen bereits im März in den 30-tägigen Probebetrieb gehen können. Sollten in dieser Zeit keine gravierenden technischen Schwierigkeiten auftreten, geht die Anlage in den ordentlichen Betrieb über, berichtet Projektleiter Hezel. Strom produziere das Kraftwerk aber bereits am ersten Tag des Probebetriebs.
Das neue Wasserkraftwerk wird künftig jährlich 1,9 Millionen Kilowattstunden Strom ohne Kohlendioxid-Emissionen produzieren. Unmittelbar nach dem Einheben der Wasserkraftschnecken kann auch mit dem Ausheben des Kanals für den Fischaufstieg begonnen werden. "Der naturnahe Raugerinne-Beckenpass mit 36 Becken und einer Länge von 150 Metern ermöglicht es Fischen und Kleinlebewesen, den Höhenunterschied von sechs Metern zu überwinden", erklärt Rolf Hezel. Dort entstehen Strömungen die allen Fischen die richtigen Bedingungen für den Aufstieg bieten. Außerdem sollen die heimischen Tier- und Pflanzenarten gefördert werden. Diese Arbeiten werden voraussichtlich im April oder Mai abgeschlossen sein, sagt Hezel. Bis die letzten Bagger die Großbaustelle endgültig verlassen haben, dauere es noch etwas länger.
Bereits in den 80er-Jahren wurde mit der Planung des neuen Wasserkraftwerks begonnen, die 2002 genehmigt wurde. Auf dieser Genehmigung aufbauend wurde 2008 ein neues, verbessertes Anlagenkonzept erstellt, das den heutigen ökologischen und wirtschaftlichen Anforderungen entspricht.
Eine Wassserkraftschnecke ist vergleichbar mit einer großen Schraube, berichtet die Firma Energiedienst. Die Gewinde der Schnecken werden durch das durchfließende Wasser angetrieben, die Drehbewegung wird in elektrische Energie umgewandelt. Vorteil dieser Anlage ist, dass Fische ungefährdet absteigen können und auch ökologisch wichtiges Schwemmgut und Geschiebe die Wasserkraftschnecke passieren können.