Wasserwerk-Betreiber klagt über Einspeise-Regelung

Schwäbische Zeitung vom 23. Oktober 2010

Veringendorf - Der Betreiber des Veringendorfer Wasserwerkes, Günther Malisi aus Memmingen, hat Sorgen. Er müsste viel investieren, weil eine Vorschrift besagt, Wasserwerke müssen bei Netzüberlastung des Stromnetzes die Einspeisung drosseln. Diese Sorgen trug er bei einem Ortstermin vor, an dem sich die Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke Baden-Württemberg e.V. (AWK-BW) und der Bundestagsabgeordnete Thomas Bareiß beteiligten.

Eingangs stellte Bürgermeister Armin Christ seine Stadt vor und lobte den anwesenden Besitzer des Kraftwerks als guten Geschäftspartner. Dann referierte der Vorsitzende der AWK-BW, Elmar Reitter, ausführlich über die Sorgen der Wasserkraftwerke, besonders mit dem Paragraphen 6 EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz). Gemäß diesem Paragraphen müssen Anlagenbetreiber, deren Leistung 100 Kilowatt übersteigt, bei Netzüberlastung ihre Einspeiseleistung mit einer ferngesteuerten Einrichtung reduzieren.
Diese Bestimmung mache bei Windkraft- oder Photovoltaik-Anlagen praktisch keine Probleme. Wenn jedoch eine Wasserkraftanlage in Sekunden oder wenigen Minuten zurückgeregelt beziehungsweise ganz abgeschaltet wird, entsteht ein plötzlicher Rückschwall des gestauten Wassers, das sehr gefährlich werden kann.
Die entsprechende Steuerungstechnik erfordere erhebliche Investitionen. Bei der anstehenden Novellierung des EEG sollte daher diese spezifische Problemlage der Wasserkraft gebührend berücksichtigt werden.
Da eine Netzüberlastung zunehmend vom Solarstrom drohe, andererseits die Wasserkraftwerke zur Grundlast beitragen, sei es wiedersinig, diese im Rahmen des Einspeisemanagements herunterzufahren.
MdB Thomas Bareiß, der als energiepolitischer Sprecher und Koordinator seiner Fraktion fungiert, hatte ein offenes Ohr für die vorgetragene Problematik. Die Photovoltaik werde ohnehin überbewertet. Bei geringem Stromanteil (etwas über ein Prozent) sei sie am höchsten subventioniert.
Die Bedeutung der klimaneutralen Wasserkraft, die zuverlässiger als Sonne und Wind sei, werde dagegen unterschätzt, auch in Bezug auf ihr Ausbau-Potenzial. Der Präsident der AWK, Karl-Wilhelm Röhm, betonte die hohe Akzeptanz der Wasserkraft bei der Bevölkerung. Einigkeit bestand auch darin, dass die Genehmigungsverfahren verschlankt und beschleunigt werden sollten. Die bestehenden Zielkonflikte mit dem Naturschutz müssten kein Hindernis sein.
Überwiegend gehe es dabei um Einzelfall-Entscheidungen, wobei ökologisch verträgliche Lösungen gefunden werden können, wie etwa Fischtreppen. Zur Ökologie der Fließgewässer und den Belangen der Fischerei äußerte sich nachdrücklich Dr. Konrad vom Fischerei-Referat im RP Tübingen.
Günther Malisi, der auch ein Wasserkraftwerk in Sigmaringendorf betreibt, kündigte eine ökologische Verbesserung in Veringendorf an der Ableitungsstelle der Lauchert an. Das Veringendorfer Werk leistet mit zwei Francis-Turbinen bei Vollast etwa 530 Kilowatt.
Es wurde bereits 1902 als eines der ersten E-Werke in Betrieb genommen. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Die beiden großen Francis-Turbinen laufen seit 1928. Die Einspeisevergütung für Wasserkraft liegt zur Zeit bei 7,67 Cent pro Kilowattstunde. 2009 war ihr Anteil an der Stromerzeugung in Deutschland 3,3 Prozent, weltweit 20 Prozent.