Strom vom Denkmal

Ehinger Tagblatt vom 28. September 2010

Wasserkraftwerk Alfredstal ist seit 1903 in Betrieb.

Zum landesweiten Energietag gab es im Kraftwerk Alfredstal an der Donau bei Obermarchtal eine Führung. Das Wasser als konstanter Lieferant von umweltfreundlicher Energie rückte dabei in den Blickpunkt.

„Regen bringt Segen, nicht nur für die Natur, auch für Stromerzeuger", merkte Elmar Reitter zufrieden an, als er am Samstag eine kleine aber interessierte Besucherschar im strömenden Regen zum Wasserkraftwerk Alfredstal an der Donau unterhalb von Obermarchtal führte. Zuerst zeigte Reitter ein altes Laufrad von 1903, das jetzt ausgemustert wurde, dann informierte er zum landesweiten Energietag über die umweltfreundliche Energiegewinnung durch Wasser.
„Sie ist mit verhältnismäßig geringem technischen Aufwand verbunden, konstant im Dauerbetrieb und belastet die Umwelt überhaupt nicht", betonte der Firmenchef, der
mehrere kleinere Wasserkraftwerke betreibt. Das Alfredstal ist ein technisches Kulturdenkmal mit Wandmalereien und weiterem Zierwerk, was für den Stolz und die Repräsentation der Technik zur Zeit von 1903 steht, als es gebaut wurde, um die damalige Zementfabrik in Rechtenstein mit Energie zu versorgen.
Das Kraftwerk ist weitgehend im ursprünglichen Zustand geblieben. Gespeist wird es über einen 800 Meter langen Kanal von der Donau. „Wir lassen jedoch genügend Restwasser für die Ökologie, was sich auch in der Fischtreppe beim Wehr zeigt“, betont Reitter.
Von den drei Original-Francisturbinen ist noch eine in Betrieb. Deren Herzstück ist ein hölzernes Kammrad und dessen exakt 592 Zähne – Weißbuchenholz aus dem Elsaß – hat vor mehr als 50 Jahren ein Kammenschreiner in Handarbeit angefertigt. Sie sorgen für einen ruhigen und gleichmäßigen Lauf der Turbine. „Wären die Zähne aus Stahl, würde es reiben und rumpeln und das gäbe bald ein Problem“, machte der Experte deutlich.
Zwei der alten Francis-Turbinen sind mittlerweile durch moderne Varianten ersetzt worden, die deutlich weniger Platz benötigen und viel leiser ihre Arbeit erledigen. Erzeugt werden im Kraftwerk Alfredstal im Jahr 2,4 Millionen Kilowattstunden Strom. Diese Menge reicht aus, um 600 Haushalte zu versorgen.
Um diese Menge mit menschlicher Kraft zu erzeugen, etwa durch heftiges Strampeln auf einem Fahrrad, wären 3.000 Menschen acht Stunden beschäftigt. Weil Wasser aber bei Tag und Nacht konstant Strom erzeugt, wären dies Arbeitsplätze für 12.000 Menschen, zog Reitter einen Vergleich und meinte: „Man denkt viel zu wenig darüber nach, was Wasser leisten kann.“