Noch große Potenziale im Ländle

Alb Bote vom 18. August 2010

Thema Wasserkraft: Röhm und Reitter informieren den CDU-Umweltexperten Scheuermann.

Zu einem Gedankenaustausch über das Thema Wasserkraft kam unlängst MdL Winfried Scheuermann zur Lauterquelle in Offenhausen.

Der Abgeordnete, der auch Vorsitzender des Arbeitskreises für Umwelt und Verkehr sowie umweltpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion ist - damit unter anderem auch umweltpolitischer Sprecher seiner Fraktion - besichtigte bei seinem Besuch das kleine restaurierte Wasserkraftpumpwerk unterhalb der Lauterquelle, ein Kleinod im Biosphärengebiet Schwäbische Alb, das Besucher für die Wasserkraft sensibilisieren und begeistern soll.
Seine Gesprächspartner waren der Abgeordnete Karl-Wilhelm Röhm, der sich als Präsident der Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke in Baden-Württemberg (AWK) für die Erneuerbare Energie aus Wasserkraft und deren mittelständische Betriebe engagiert, und der Vorsitzende der AWK, Elmar Reitter aus Rechtenstein, als technischer Experte.
Laut Reitter bestätigen mehrere von Bund, den Ländern und der EnBW in Auftrag gegebene Studien die bisherigen Einschätzungen der AWK, dass in Baden-Württemberg noch ein großes technisches Ausbaupotenzial für die Wasserkraft vorhanden ist. Allerdings reduzieren ökologische Restriktionen das Ausbaupotential derart, dass es sogar zu einer Reduktion der mittleren Jahresleistung führen kann.
Deshalb ist nach Auffassung der AWK angesichts des dringend erforderlichen Ausbaus der Erneuerbaren Energien ebenso dringend eine neue politische Bewertung des Nutzungskonflikts erforderlich. Der Vorsitzende Reitter fordert deshalb Politik, Behörden und Umweltverbände nachdrücklich auf, endlich die restriktive Haltung zur Kleinkraftwassernutzung aufzugeben und die Genehmigungsverfahren zu erleichtern und zu beschleunigen. Immerhin seien, so der Experte, die heutigen Auflagen bezüglich des ökologischen Ausgleichs so hoch angesetzt, dass in der Öko-Bilanz unter Berücksichtigung der emissionsfreien Stromerzeugung meist eine positive Bewertung zustande komme. Ein nennenswerter Zuwachs an Strom aus Wasserkraft sei ohne die Kleinkraftwassernutzung nicht möglich. Deswegen gelte es, noch zu Unrecht bestehende Hemmnisse bei der Nutzung von Kleinkraftwasseranlagen zu beseitigen.
Weiterhin bittet der Verband um Unterstützung des Landes im Bundesrat zur Modifizierung des Erneuerbaren Energien Gesetzes. Nach der letzten Novellierung werden infolge der extrem schwankenden Stromerzeugung aus der Wind- und Solarenergie teilweise Netzabschaltungen erforderlich, in welche nicht nur die Verursacher, sondern auch die grundlastfähige Wasserkraft einbezogen wird. Dies führt bei den Betreibern zu großen Problemen. Neben hohen Investitionen in die Automatisierungstechnik sehen die Wasserkraftbetreiber nicht nur Gefahren in der Anlagensicherheit wegen provozierten Überschwemmungsrisiken, sondern auch bezüglich der Auswirkungen des Wasserschwalls für die Gewässerökologie und vor allem auch wegen Gefährdungen bei Badegästen, Fischern und Kanuten. Solche Risiken sind auch nicht versicherbar, weil sie systembedingt sind und keine "höhere Gewalt" mehr darstellen. Die Verursacher Wind- und Solarenergie könnten dagegen beliebig abgeschaltet werden, während die Wasserkraft bei plötzlichen Abschaltungen das Problem habe, das Wasser schadlos weiterzuleiten. Diese zusätzlichen Belastungen seien deshalb für die Wasserkraft nicht tragbar und müssten korrigiert werden.